Urticaria – Nesselfieber

By | 30. Mai 2011

Urticaria – Nesselfieber: Teile der Haut sind bedeckt mit geröteten, meist erhaben tastbaren und stark juckenden Quaddeln. Gibt es grundsätzlich in zwei Varianten: kurzzeitig, ein oder wenige Anfälle und chronisch, immer wiederkehrend.

Die sogenannte akute Urticaria ist zwar lästig und beim ersten Mal auch sicher aufregend, aber letztendlich kein großes Problem: sie heilt von selbst wieder ab, ob der Arzt nun Cortison spritzt oder in Barmbek die berühmte Schaufel umfällt. Dieser Ausschlag wird  vom Patienten und dem erstversorgenden (Krankenhaus)arzt in aller Regel als „Allergie“ betrachtet – und der Gang zum Allergologen wird angetreten – um zu testen, was der Auslöser nun ist. Unglücklicherweise kann man das bedauernswerte Opfer nun nicht sofort testen, weil es meist reichlich mit Cortison und Antiallergischen Antihistamin Tabletten vollgestopft worden ist, die nicht nur die Quaddeln sondern auch die Testreaktion (auf der Haut) bestens unterdrücken…

Hinzu kommt, das die akute Urticaria nur relativ selten eine echte „Allergie“ ist, sondern meist durch irgendwelche Infekte ausgelöst wird, oder es schlicht völlig unklar bleibt, was die Ursache nun war. Die angeschuldigte Nutella wird jedenfalls in der Regel auch nach einem solchen Anfall klaglos genossen!

Viel problematischer ist die chronisch wiederkehrende Urticaria. Hier ist das abklärende Gespräch mit dem Quaddelopfer viel wichtiger als planlose Testungen. Meist hat der Patient schon selbst hin und her überlegt, was an Nahrungsmitteln oder Waschmitteln den Ausschlag hervorrufen könnte, und ist zu keinem Ergebnis gekommen, weil mal hat er Quaddeln nach dem Essen und mal nicht, und auch Persil juckt wie Fewa.

Hier sucht man nach Infekten (Zahnwurzelspitzen, Nasennebenhöhlen und Magengeschwürsbakterien um die wichtigsten zu nennen) und auch nach Hinweisen auf eine Immunreaktion, die sich gegen den eigenen Körper richtet. Die Eigenblutquaddel ist bei bis zu einem Drittel der Patienten mit Chronischer Urticaria positiv und lässt an eine sogenannte Autoimmunerkrankung denken.

Die Behandlung der Chronischen Urticaria ist eigentlich ganz einfach: wenn man einen behandelbaren Grund gefunden zu haben meint, behandelt man diesen und wartet ab, ob man einen Treffer gelandet hat. Und die Symptome müssen ausreichend unterdrückt werden, sodaß der Patient mit seiner Erkrankung leben kann. Meist reicht allerdings die Standard-Dosis der verordneten Antihistamine nicht aus: als Konsequenz muss man die Dosis erhöhen – zZ werden bis zur vierfachen der im Beipackzettel empfohlenen Menge verordnet. Sollte das nicht reichen, gibt es Kombinationsmöglichkeiten mit weiteren Medikamenten. Nur Cortison sollte möglichst nicht dabei sein; wegen der Langzeitnebenwirkungen ist nur beim akuten ersten Anfall nichts gegen dieses Medikament einzuwenden!

In den wissenschaftlichen Zeitschriften sind viele Ansätze zur Einteilung und Behandlung der Chronischen Urticaria veröffentlich worden, leider hat sich eine anfängliche Begeisterung aber doch schnell gelegt, so hat Frau Prof. Chernetzky aus Berlin um 60% der an Chronischer Urticaria leidenden und bei ihr stationär behandelten als geheilt bezeichnet – nur durch 3 Wochen Null-Diät. Ich hätte mich nach einer solchen Tortur auch gesund gemeldet, nur um wieder etwas zwischen die Zähne zu bekommen – jedenfalls heute redet niemand mehr vom Hungern lassen. Aber für den einen oder anderen kann eine längere Zeit nur Pellkartoffeln und Butter doch schon was bringen – aber es ist eben echt schwer durchzuhalten!

 

 

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