Zecken und Borrelien

By | 20. Februar 2013

Bei den norddeutschen Hautärzten wird von den durch Zecken übertragenen Krankheiten nur die Borreliose in all ihren Spielarten ge- aber auch übersehen…Mit den Symptomen der viralen FSME (Gehirnhautentzündung) geht man ja wohl auch kaum zum Dermatologen. Die Borreliose ist allein schon ausreichend kompliziert genug!

Im einfachsten Fall kommt der Patient mit der „Wanderröte“, einem relativ schnell an Durchmesser zunehmenden roten Fleck auf der Haut. Dann gibt es den verschleppten Fall, wo der Ring so groß ist, dass er, wenn auch stark abgeblasst, von der anderen Seite des Oberkörpers auf sich selbst trifft. Oder es gibt auch viele kleinere Ringe auf einmal. Das ist alles eine sogenannte Blickdiagnose – gesehen, zack, gewusst. Blutuntersuchungen sind hier nicht notwendig um mit der Behandlung zu beginnen, aber sinnvoll, um den Immunstatus vor der Therapie zu klären.

Die Borreliose hinterlässt nämlich im Blut eine „Narbe“ –
man kann lebenslang sehen, dass der Patient sich mal mit den Borrelien auseinandergesetzt hat. Und so eine „Narbe“ muss nun keinesfalls mit Antibiotika bearbeitet werden, sondern nur, wenn der Patient eine bisher noch nicht (ausreichend) therapierte Spät-Borreliose aufweist. Diese Spätfolgen treten Jahre bis Jahrzehnte nach der Infektion auf und führen zu einer strumpf- bzw. handschuhartig angeordneten Unterhautentzündung, in deren Verlauf die Haut zunächst Wasser einlagert und später durchscheinend dünn wird, mit einem ganz speziellen Farbton. Wenn der Arzt die „Akrodermatitis atrophicans Herxheimer“ richtig diagnostiziert, ist er mindestens zwei Tage stolz!

Kinder kriegen keinen „Herxheimer“, die können aber, genau wie Erwachsene, ein „Pseudo-Lymphom“ entwickeln. Das sind umschriebene, rötliche Hautschwellungen, die aber Lieblingsstellen haben, wo man zumindest vorher eine Borreliose vermuten kann: Ohrläppchen (einseitig dick rot, juckig) oder die Brustwarze, verdickt und rot. Sitzt die Schwellung aber nicht am Lieblingsort, kommt man um eine Hautprobe-Entnahme nicht herum. Die Zecke hat hier auch nicht ins Ohr gestochen, sondern die Gewebeart scheint einfach besonders einladend zu sein.

Besondere Formen der Borreliose können chronisches Nesselfieber imitieren – und da ist dann die Blickdiagnose eher fehl am Platze. Und nicht jede Quaddel ist ne Borreliose, aber der Quaddel-Patient kann natürlich ganz unabhängig eine ausgeheilte Borreliose mit ihrer Serumnarbe aufweisen. Und eine frische, behandlungswürdige Wanderröte kann als Neuinfektion bei jemanden mit einer „Serumnarbe“ auftreten, und dann passiert im Blut gar nichts… Auf Hoher See und vor Gericht – und eben auch im Sprechzimmer – ist man irgendwie ausgeliefert. Behandeln Sie Ihren Hautarzt gut!!

 

One thought on “Zecken und Borrelien

  1. Patricia Liedel-MacIntyre

    Sollte ich jemals wieder mit meiner seit 25 Jahren immer wieder auftretenden Alt-Borreliose Ärger haben,-die 50km zu Ihnen gönne ich mir. Gott, ist Ihr Humor gut.
    Darauf können sie mindestens auch 2 tage stolz sein.

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