Krätze-Skabies

By | 19. Februar 2014

In letzter Zeit scheint eine Krätzeepidemie  ausgebrochen zu sein. Leider sind die Fälle nicht immer lehrbuchhaft…

Kurz, es besteht die Gefahr, daß wir Ärzte (ich will mich da nicht ausnehmen) nicht jeden Fall sofort als Krätze erkennen. Das fiese an dieser ausschliesslich von Mensch zu Mensch übertragenen, meist extrem juckenden Hautkrankheit: Die ersten 4 Wochen nach Ansteckung merkt man NICHTS, kann aber seine gesamte Familie, oder schlimmer, seine Schutzbefohlenen (Kindergartenkinder, Patienten auf Station oder im Altenheim) schon mal vorab infizieren. In dieser heutigen Situation (4x Skabies alleine am Mittwoch vormittag) wird sicherlich auch mal jemand zu „Unrecht“ sicherheitshalber als Krätzefall behandelt…Das ist viel weniger schlimm als auch einen Fall zu übersehen!

Also noch mal: relativ akut aufgetretener Juckreiz mit punktförmigen Stellen, starke Verschlechterung abends im Bett und eine Diagnose „Ekzem“ oder „Neurodermitis“ ohne eine entsprechende Vorgeschichte sollte Ihnen doch zu denken geben…und eine nicht stattfindende Besserung auf Cortisonsalben doch schon zum Facharzt treiben.

Informationsblatt Skabies (Krätze)

Krätze (Skabies)

Sie ist eine Hautkrankheit, die durch eine Besiedlung der Haut und Hornhautschicht durch „Krätzemilben“, winzige Spinnentiere verursacht wird. Bis zu sechs Wochen nach Krätzebefall kommt es zu Hautproblemen und teils starkem, unerträglichen Jucken. Absolut typische Symptome gibt es nicht. Die Krätze kann viele andere Hauterkrankungen vortäuschen, was die Diagnose immer schwieriger macht.

Wie Krätze übertragen wird

Die Übertragung erfolgt durch langen direkten Hautkontakt (5-10 Minuten) dementsprechend sind kurze Kontakte wie z.B. Händeschütteln, Begrüßungsküsse oder Umarmungen bei normaler Skabies in der Regel ohne Risiko. Sie hat nichts mit der eigentlichen Körperhygiene zu tun, es gibt auch die sog. „gepflegte Krätze“. Besonders Kontakt wie „Händchenhalten“, Schlafen in einem Bett, „Kuscheln“, Körperpflege von Pflegebedürftigen oder Geschlechtsverkehr fördert die Weiterverbreitung. Besonders schwere Formen der Krätze (Scabies crustosa) breiten sich schneller aus. Das Besondere an Kontaktpersonen ist, dass sie bis zu sechs Wochen infiziert sein können, ohne Symptome zu zeigen.

Therapie der Krätze

Krätze kann durch Cremes oder in seltenen Spezialfällen mit Tabletten behandelt werden. Finger und Zehennägel sind sehr kurz zu schneiden und vor der Behandlung sorgfältig zu reinigen. Nach dem Eincremen mit der „Krätzecreme“ dürfen die Hände  8 Stunden nicht gewaschen werden.

Behandlungserfolg

Es wird davon ausgegangen, dass 24 Stunden nach einer richtig durchgeführten Behandlung keine Ansteckungsgefahr mehr besteht (Ausnahme: schwere Scabies crustosa). Der Einsatz der genannten Arzneimittel bewirkt zwar das Abtöten der Krätzemilben. Durch die unter der Haut verbleibenden abgetöteten Milben und durch den Milbenkot ist jedoch mit einem Abklingen der Symptome oft erst nach vielen Tagen bzw. Wochen zu rechnen. Dies ist nicht mit einem Versagen der Behandlung zu verwechseln.

Umgebungshygiene

Vom Mensch getrennte Milben können, abhängig von den vorherrschenden Umweltbedingungen, einige Tage infektiös bleiben. Die Übertragung der Krätze erfolgt in der Regel über den direkten Hautkontakt (s.o.). Eine Übertragung über Textilien, Kleidung, Schuhe, Matratzen, Polstermöbel etc. ist möglich, jedoch sehr selten. Eine Ausnahme bilden schwere Formen (Scabies crustosa).

Kleider, Bettwäsche, Handtücher und weitere Gegenstände mit längerem Körperkontakt (z.B. Stofftiere etc.) sollen mindestens bei 60°C gewaschen werden oder sind, in Plastiksäcke eingepackt oder in Folie eingschweißt, für 72 Stunden bei mindestens 21°C zu lagern. Alternativ können möglicherweise kontaminierte Gegenstände auch für 2 Stunden bei -25°C gelagert werden (gilt nicht bei Scabies crustosa). Achtung: Handelsübliche Gefriereinrichtungen kühlen oft nur auf -18°C! Betten sollten frisch bezogen werden (vor und nach der Behandlung). Polstermöbel, Sofakissen oder textile Fußböden (wenn Erkrankte mit bloßer Haut darauf gelegen haben) sind mit einem starken Staubsauger abzusaugen (Filter und Beutel danach entsorgen) Gegenstände,  mit denen der Patient nur kurzen Kontakt hatte, müssen nicht dekontaminiert werden (Ausnahme: Scabies crustosa). Die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln (Pestiziden) ist weder sinnvoll noch notwendig.

Kontrolluntersuchung nach der Erstbehandlung

10 bis 14 Tage nach der ersten Behandlung sollten die Betroffenen erneut einem Arzt vorgestellt werden, der kontrolliert, ob die Behandlung erfolgreich war.

Krätze ist nichts ehrenrühriges sondern sehr gut behandelbar!!!

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