Cortison – aber bitte richtig!!!

By | 17. Februar 2010

Cortisontherapie der Neurodermitis

Die Neurodermitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. Durch die wiederholten  Rückfälle beeinträchtigt sie die Lebensqualität oft sehr. Durch eine Behandlung mit Cortison-Salben ist der akute Schub fast immer zur Abheilung zu bringen. Und vor  einigen Jahren konnte gezeigt werden, dass durch eine neuartige Behandlungs-Strategie die lästigen Rückfälle verhindert werden können, ohne dass man Nebenwirkungen erleiden muss.

Früher wurde empfohlen, nach Abschluss der Cortisonbehandlung nur noch wirkstofffreie Pflegecremes oder -Salben zu verwenden („nehmen Sie Linola-Fett“) und dann erst beim sichtbaren Wiederaufflammen der Hautentzündung erneut „zuzuschlagen“.

Das hat leider mehrere unangenehme Nebenwirkungen:

Zum einen führt es bei der bestehenden allgemeinen Cortisonangst zu der Folge, dass die Hautentzündung nicht richtig zur Abheilung gebracht, sondern nur gebessert  wird (weil zu früh aufgehört wird). Der folgende „Rückfall“ ist infolgedessen gar kein Rückfall, sondern ein Wiederaufflammen der gar nicht abgeheilten Erkrankung. Das bedeutet in der Praxis: Der störende Juckreiz ist nie weg, Cortison wird dann doch eingesetzt, aber mit schlechtem Gewissen und wieder nicht lange genug.

Oder die andere Variante: Die Neurodermitis wird zwar ausreichend bis zur Abheilung behandelt, aber der Rückfall kommt eben doch – trotz der Pflegesalben und Cremes – und zwar meist innerhalb von 4 Wochen.

Woran liegt das? Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass die „abgeheilte“ und in geringerem Maße auch die „gesunde“ Haut des Neurodermitikers immer noch Reste von Entzündung (sprich Entzündungszellen) aufweist. Die Haut lauert sozusagen darauf, wieder eine Entzündung zu produzieren – sozusagen ein fliegender Start! Es gilt, diese unterirdische Entzündung in Schach zu halten.

Der neue Ansatz – Vorbeugung und Unterdrückung der Mini-Entzündung durch regelmäßiges 2x wöchentliches Anwenden einer Cortisoncreme/oder eines Calcineurininhibitors (z.B. Protopic ®) – ist ohne Nebenwirkungen und so erfolgreich, dass es in den Richtlinien der Dermatologischen Gesellschaften zur Neurodermitisbehandlung als Behandlung der Wahl Aufnahme gefunden hat.

Wie geht es?


 

Ganz einfach: Die entzündeten Stellen werden mit der verordneten Cortisoncreme bis zur vollständigen Abheilung 2x täglich eingecremt, der restliche Körper mit der empfohlenen Pflegecreme. Nach Abheilung heisst es Stellen merken, denn diese werden einen Monat lang 4x/Woche jeweils 1x am Behandlungstag (Mo,Mi, Fr und So) und anschließend nur noch einmal Mi und So mit der Cortisonsalbe eingecremt – der übrige Körper sollte weiterhin mindestens 1x täglich mit Pflegecreme behandelt werden. Kommt es doch zu einem Rückfall, sollte frühzeitig mit der erneuten 2x täglichen Therapie begonnen werden.

Im Gesicht/Halsbereich ist statt Verwendung eines Cortisons eher die Verwendung von Elidel® oder Protopic ® angeraten.

Untersuchungen zur Hautdicke haben bei diesem Vorgehen keine Nebenwirkungen, bzw. Verdünnung feststellen können.

Die entsprechene Arbeit ist bereits 2002 im British Journal of Dermatology von Hanifin und Mitarbeitern auf der Seite 528 ff erschienen.©

Praxis für Dermatologie – Geesthacht

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